Mittwoch, 30. Juli 2008

Ross und Reiter
Das Pferd, das ihn trägt untertags, es ist kein edles Pferd, aber es ist ein schönes Tier, wohlgenährt, treu, fähig, temperamentvoll und schnell, wenn es von ihm verlangt wird. Die Satteltaschen sind fast leer, und das erleichtert ihm den Ritt. Der Reiter trägt ein Gewand, das nicht mehr neu und schon verwetzt ist, aber es passt ihm wie eine zweite Haut, und er bürstet es täglich und bedarf keines anderen. Eine Hand immer am Zügel, im Schritt wie im Galopp, die andere hält das Glas, denn er kennt das Ende seines Weges und will es nicht verfehlen, auch wenn er scheinbar ziellos umherzieht. Und noch ein anderes Ziel hat er im Blick, seitdem sein grünes Auge den Ort entdeckt hat, den Ort, an dem er alles erblicken konnte, was seine Wünsche ihm erzählen an langen Tagen, auf langen Wegen. Und so hebt er das Glas immer wieder, um sich zu ergötzen an dem Anblick, der sein Herz bewegt und besänftigt in einem. In der Dämmerung sitzt er ab, um sich und dem Tier Ruhe zu gewähren, und er streicht die Hutfeder glatt, bevor er sich zur Nachtruhe begibt, ihren scharfen Strich unter dem Finger fühlend wie eine Schiene, die nur eine Richtung kennt, und auf der seine Gedanken sich klaglos abstellen lassen in der Nacht. Der Himmel zeigt ihm im Einschlafen das Bild, das er in seinem Herzen trägt inzwischen, und der Traum, aus dem er tränenfeucht erwachen wird, küsst ihm das Lächeln in die müden Züge, das Lächeln, mit dem er die Wachen zu betören gedenkt, an einem schönen Tag.

Pferd, Wams und Lächeln: das ist sein ganzer Besitz, der nichts gelten und nichts helfen wird an einem schönen Tag, denn sie werden ihn nicht einlassen, dort, wo er sein Glück gesehen hat und es nicht finden wird.

 
Die Satteltaschen sind fast leer. Da ist ein Buch von Kafka drin.

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Von Kafka? Könnte gut sein (der Umschlag ist leider verlorengegangen). Und ein Taschentuch aus Batist.

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