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Dienstag, 23. August 2016
Tänzer
Einer legt den Arm wie einen metallenen Bügel um die Tänzerin. Sie lässt sich einschließen in diesen Arm aus Sicherheit und Expertentum und Entschlossenheit, und er führt sie gut und in komplizierten Arrangements, die sie bisher nie so mühelos gehen konnte. Einer legt den Arm wie einen metallenen Bügel um die Tänzerin. Sie fühlt sich eingeschlossen in diesem Arm aus Macht und Beherrschungswillen und tut was ihr geheißen wird, schließlich führt der Tänzer, das darf er und das muss er und das tut er. Einer riecht nach Mittagessen und tanzt kerzengerade und erzählt unterdessen, dass er in der Jugendtanzstunde nie jemanden aufzufordern wagte, und dann seien die Mädchen, die er am interessantesten fand, immer mit einem anderen Tänzer zum Ball gegangen. Aber heute ist das viel besser geworden. Heute kann er auffordern, erzählt er und setzt die Schritte wie mit Handschuhen an den Füßen und wenn er nicht spricht, dann seufzt er tief. Einer sagt mit einem Kopfnicken "Karlheinz" und tanzt dann freundlich und unaufregend, und er bedankt sich nach drei Tänzen, denn etwas stresst ihn, ein Tänzer muss die Dame fehlerfrei führen und auf die Musik und den Takt hören und darauf achten, dass er keine Karambolage mit einem anderen Paar erlebt und dass er einen guten Eindruck bei der Dame hinterlässt, vor allem, wenn er sie nicht kennt. Einer fordert alle neuen Damengesichter auf und kümmert sich um alle Anfängerinnen, wir haben schließlich alle angefangen und waren froh, wenn einer mit uns getanzt hat, und er tanzt ganz nebenbei mit ihnen einen Schritt mehr als sie im Unterricht hatten, die können viel mehr als sie denken, erzählt er danach, Frauen können alle viel mehr als sie denken. Einer kuschelt sich an die Tänzerin an, er macht nur ein paar Schritte vorwärts und rückwärts, er genießt es, die Tänzerin ganz eng zu umschlingen, die vielen Figuren braucht man gar nicht. Er ist immer mit dem Wohnmobil da, falls was geht hinterher. Einer tanzt alles, was er gelernt hat, er schaut seinen Schritten auf dem Parkett zu und weiß nichts von der Dame, die er in vorgeschriebener Haltung fasst und handhabt, während er konzentriert atmet und alles richtig macht, es klappt wunderbar. Einer passt genau auf, was die Dame macht und korrigiert nach jedem Musikstück: Kopf ein wenig senken, kleinere Bewegungen beim Ocho, rechten Arm locker, so locker auch wieder nicht, er muss wissen, auf welchem Fuß sie gerade ihr Gewicht hat, das muss sie ihm signalisieren, sonst kann sogar ein alter Hase wie er sie nicht führen. Nächste Woche will er es wieder mit ihr probieren. Einer bietet der Dame seine Führung an, er ist ganz vorsichtig und lässt ihr Platz für Verzierungen, die sie gerne machen will, er ist musikalisch und hat Ohren und spürt, was gut geht. Er wartet auf ihre Schritte und ihren Tanz und freut sich, dass sie nicht wie ein fetter toter Fisch an ihm lehnt, sondern die Beine schwingt und ihm dazwischen zulächelt und ihm dankt hinterher. Einer hat eine Salamanderglitzerbrosche am Hemd und ein gelbes Tuch als Gürtel um die Hüften und ist hager und muss sich hinunterbeugen zu seiner Tänzerin, die die Rippen unter ihrer linken Hand spürt und viele Knochen in ihrer Rechten. Er kann alles und tanzt am liebsten schnell und fetzig. Einer ist groß und fordert seine Tänzerin ohne ein Wort auf. Er hält sie wie eine Kostbarkeit im Arm, seine Hand reicht für ihren ganzen Rücken, er wird sie nicht fallen und nicht zweifeln lassen. Seine Umarmung sagt ihr etwas von Haltbarkeit und Zartheit und Sehnen und Enttäuschung, und er führt sie in kleinen weichen Schritten, obwohl er so viel längere Beine hat. Einer ist der König und fegt anarchisch durchs Volk, auch wenn es eng ist im Saal, er ist der Hirsch mit dem goldenen Geweih, und mit wem er tanzt, muss dankbar sein, denn er tanzt oft lieber den ganzen Abend gar nicht, bevor er eine schlechte Dame erwischt.

Samstag, 6. August 2016
Schnarchnasen!
Warum geht dieses gespreizte Altersheim von Festspielpublikum überhaupt da rein, wenn dann immer welche schlafen? Mit Schnarchen und Zucken und allen Zeichen der Dissoziation?

[Non]
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Freitag, 5. August 2016
Jean Paul ihm sein Weg
Wo bist du, mein Zwilling? Wo bist du, der dasselbe Muster hat, der mir was von Morgenröthe schwadronieren kann mitten am Tag? Der mit mir die Straßen geht, die von Flechten nur so blühen, die Straßen, auf denen keiner ist, weil sie zu steil sind für die Gefährte, in denen der allgemeine Festspielbesucher seinen Arsch auf getrennt beheizbaren Sitzen herumkariolt? Der die Fröschli schnalzen sieht im Gras? Und sonst auch Zeuch und Zeichen?

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Dienstag, 2. August 2016
Goldmühl bei Frankenhammer
Die Holzscheuern, die Gewerbegebiete so putzig, der Keller im Hang, davor der Tisch, an dem ich im letzten Sommer saß und aß, Sauerbraten, ich weiß es noch. Der Fluss ein Bach noch, daneben lauter glänzend Schnecken, schwarze kleine viele helle halbe. Es nieselt aus Schwaden in die Wälder.

Man führt ein gutes Haus hier, einfach, lecker, treu.

Das Sehnen so groß.

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Samstag, 2. Juli 2016
Wo kann ich bitte möglichst bald diesen Benjamin Kuhlhoff heirat  treffen?

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