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Montag, 2. Januar 2012
Kiel
Ach Jugendherberge. Etagenbetten, Klo auf dem Flur, Gemeinschaftswaschbecken. Schmucklose Dusche. Tablett mit einem aus schaumigem lauwarmem Wasser gefischten Labberlappen abwischen, abtrocknen und auf den Stapel zurückstellen. Kalte Fußböden, kalte Milch. Flitzende Kindergartenkinder mit Filzhausschuhen. Engagierte Jungeltern, Gruppenfreizeitjunkies mit Halstuch, DJH for ever, es gibt doch nichts Schöneres, wer kommt mit, ich lese was vor. Schweigsame Einzelgänger mit Ei im Bart. Pfefferminztee nicht in Metallkannen. Der Herbergsvater erklärt versiert den auf dem Tresen aufgeklebten Stadtplan. Nebel und Nieselregen. Großfähren, Möwen auf Geländer, spiegelnde Lichter, das Wohnen am Wasser, ganz normal. Toter Mittagsschlaf in der neonflackerig beleuchteten Betthöhle (unten schlafen ist viel schöner, deshalb). Ins Kissen weinen. Brettspiele und Knobelspiele auf blanken Holztischen. Nachmittags kein Kaffee zu bekommen. Abends Sprotten und Schweinelende und Schokopudding, Kartoffelsalat, Aal, Kasseler und Kraut mit Speck. Ein deutschstämmiger Comedian aus Great Britain, und Lachtränen, Lachtränen. Während draußen auf der Dachterrasse geprostet und geküsst wird und die Jungen das Feuerwerk im Nebel fotografieren, läuft die Anlage im Saal weiter. Sachter Tanz mit einem Teller Krapfen in der Hand zu unbekannter Musik, leiser Musik, und dann kommen sie alle wieder und bringen die kalte Luft von draußen mit und den Nebel, in dem das Jahr noch liegt. Teller ablecken. Den letzten Tropfen zum ersten machen aus einem Glas, das nichts verrät.
[Vesper]
Mittwoch, 28. Dezember 2011
Ein sehr schmaler Jahresring
Eine große Idee ins Werk gesetzt dieses Jahr: eine große Freude, die noch lange anhalten wird. Dankbar.
Ein Wunsch wird immer deutlicher: wieder unter Männern arbeiten. Oder gleich ganz ohne menschliche Umgebung. Wie überhaupt der Umgang Bedeutung gewinnt und die Ansprüche daran an Höhe, je weniger er wird. Beziehungsweise umgekehrt. Die Räume sauber halten.
Die Lektionen dieses Jahres waren bitter.
Ein Wunsch wird immer deutlicher: wieder unter Männern arbeiten. Oder gleich ganz ohne menschliche Umgebung. Wie überhaupt der Umgang Bedeutung gewinnt und die Ansprüche daran an Höhe, je weniger er wird. Beziehungsweise umgekehrt. Die Räume sauber halten.
Die Lektionen dieses Jahres waren bitter.
[Vesper]
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Montag, 26. Dezember 2011
Feiertag
Wie war das Tal groß, bis zum Waldsaum, so weit. Strenger Frost.
Erfrischend, sagt einer, der selbst erfrischend ist. Die beiden Alten sehe ich hinter der Küchengardine, gehe die paar Schritte zur Tür, läute, und "ja bitte" fragt er erst, bevor das Erkennen laut lacht. Wie schön es ist, in die Arme eines alten Professors zu fallen.
Wenn man eine Maske hat. Wenn sie das. Für euch.
Dir aber.
Erfrischend, sagt einer, der selbst erfrischend ist. Die beiden Alten sehe ich hinter der Küchengardine, gehe die paar Schritte zur Tür, läute, und "ja bitte" fragt er erst, bevor das Erkennen laut lacht. Wie schön es ist, in die Arme eines alten Professors zu fallen.
Wenn man eine Maske hat. Wenn sie das. Für euch.
Dir aber.
[Vesper]
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Freitag, 23. Dezember 2011
Ein einfaches Abendessen
14 in gesalzener Butter glasierte Garnelenschwänze,
dazu gebutterter Toast und ein Glas Rosé.
dazu gebutterter Toast und ein Glas Rosé.
[Vesper]
Donnerstag, 22. Dezember 2011
Sehr verehrter Herr Schmidt,
als Kind habe ich Angst um Deutschland gehabt. Ich war ein Schulkind, als die RAF allgegenwärtig war, sogar in unserem kleinen Lebensmittelladen hingen Bilder von den Leuten, die meinem bis dahin friedlichen und unbelasteten Kinderleben zum ersten Mal und gleichzeitig unüberwindbar Angst machten. Sie persönlich, den wir ja nur im Fernsehen sehen konnten, haben meiner Familie und mir Sicherheit gegeben, durch Ihr ruhiges und umsichtiges und kluges Handeln. Wir sahen auch, wie schwer ein solches Handeln sein kann, und wie viel mentale Kraft dafür nötig ist. Ich habe damals, als Kind, neben der Angst auch die Relevanz der Führung eines Staatswesens durch wahrhaftig weise Männer und Frauen kennenlernen dürfen, denn zum ersten Mal bekam die Politik und das Handeln eines einzelnen Politikers Bedeutung für mein eigenes Leben. Sie haben uns gezeigt, dass eine durch Besonnenheit und Integrität geprägte Politik ein Segen und die Grundlage und das Vorbild für unser bürgerliches Leben ist, das wir alle so sehr schätzen. Mein eigenes Engagement im geografischen und persönlichen Kreis ist ermöglicht und inspiriert worden von der dankbaren Gewissheit, in Sicherheit zu leben und von denen, die das Land führen, nicht zum Narren gehalten zu sein.
Bitte möchten Sie unser nächster Bundespräsident sein, Herr Schmidt? Ich weiß, dass Ihr hohes Alter nicht nach einem schweren Amt verlangt. Sie haben so oft, in Hamburg und in Bonn, so viele Menschen gut geführt und waren ihnen wie ein Leuchtturm in schwerer Zeit. Bitte würden Sie dies noch einmal für uns sein, in Berlin? Ich persönlich würde gerne dazu beitragen, Ihnen alle anstrengenden und lästigen Dinge abzunehmen, damit Sie die nötigen Geschäfte - es sind nicht viele, aber so wichtige! - in Ruhe und zu unser aller Freude ausüben könnten.
Es grüßt Sie von Herzen
Ihre
Hora Sexta
Bitte möchten Sie unser nächster Bundespräsident sein, Herr Schmidt? Ich weiß, dass Ihr hohes Alter nicht nach einem schweren Amt verlangt. Sie haben so oft, in Hamburg und in Bonn, so viele Menschen gut geführt und waren ihnen wie ein Leuchtturm in schwerer Zeit. Bitte würden Sie dies noch einmal für uns sein, in Berlin? Ich persönlich würde gerne dazu beitragen, Ihnen alle anstrengenden und lästigen Dinge abzunehmen, damit Sie die nötigen Geschäfte - es sind nicht viele, aber so wichtige! - in Ruhe und zu unser aller Freude ausüben könnten.
Es grüßt Sie von Herzen
Ihre
Hora Sexta
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