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Dienstag, 9. September 2014
Serenissima


Der Dialekt der Rindviecher.

Schräge Pfeiler der Sechziger, wir touchieren dich morgens.

Das Angebot "Spieß Hahnchenfilet mit Bratwurst" ausschlagen. Sich des Sieges des Vielen über das Gute schämen – so ein Quatsch, aber isso.

Du verstehst die Zahlen und sagst Guten Morgen in der Landessprache, und sofort vermuten sie, dass du sie auch sprechen kannst. Das Italienisch der Opern, ja. Lasciate mi morire. Perche no? Perche non voglio. Ti vuol la fronte incoronar di rose. Da lachen die alten Damen und wie schön sie sind mit ihren Röcken und Strickjacken.

Ich sah dich ja im Traume. Er ging neben mir, er legte seine Hand kaum spürbar auf meine Schulter. Wir gingen auf grauem Grund ohne Sonnenschein. Sein Kuss auf die Grube zwischen Hals und Schlüsselbein war warm. Kein Wort, kein Trost, keine Heilung, nichts, aber alles Wirklichkeit. Wir gingen zu zweien. Genug. Es war ein Traum.

Drei Stunden nur, und verloren an die Serenissima. Klar jewesn.

Es war kein Traum im Traum.

Freitag, 22. August 2014
Mitten wir im Leben sind
Hamburg, Sie sind gestern wieder einmal geadelt worden.

Es kam vor ein paar Jahren ein junger Mensch herunter. Er sah gestern die Weltwirtschaft, die Kreuzfahrt, den Müll, die Marine, die Stiefel und Helme der Arbeiter, die Kanzel und den Stuck im Michel, das Turmtreppenhaus, die Hafencity mit ihren Glasscheiben, ein Kaufmannshaus von 1700, Fleete, Touristen und Japaner, das Karo des Hanseatensakkos, eine Fontäne mit Regenbogen, Hotels, Türen und Fahrpläne. Und als er nach sechs Stunden des Fahrens, Steigens, Gehens, Staunens, Wunderns, Hörens und Verachtens, als er gloriam vanitatemque der Guccis, Diors und La Perlas mit seinem kleinen Elsterherzen, das doch ganz eines Robin Hood würdig wäre, geschaut hatte, da sagte er: Hier ist es fast so wie in Paris.

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Montag, 11. August 2014
Urlaubsreif ist, wenn man vor dem Verlassen des Arbeitszimmers an die geschlossene Tür klopft.

Dienstag, 5. August 2014
Pein
Nach dem Mittagessen eine Traube Menschen vor dem Aufzug. Ich: Kommt jemand mit, die Treppe nehmen? Einer: Nee, ich kann nicht, hab ein Holzbein. Ich: Soso, Holzbein, höhö, bisschen Bewegung nach dem Essen ist doch prima, und ihr sitzt doch alle höchstens im zweiten Stock. Zieht er das Hosenbein hoch und zeigt mir das Holzbein.

Ich bin dann mit ihm im ersten Stock ausgestiegen, weil er so interessante Dinge über die neue Prothese erzählt hat, die zur Zeit auf ihn angepasst wird nach einer Phase, in der er schon damit geübt hat. Er wird damit sogar die Treppe hinunter gehen können.

[Non]
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Samstag, 26. Juli 2014
500 g reine Baumwolle, zweifarbig als Netzschlauch gewirkt
Ein oranges Kleid, das nicht quietscht hey ich bin orange, ich habe Löcher durch die ihr auf die Beine schauen könnt, ich bin ein Einzelstück. Das seinen Mund hält, oldschool mit Polokragen, Lochmuster, knielang, kurze Ärmel. Auf die Beine schauen kann man natürlich trotzdem, aber man würde das Kleid beleidigen, gäbe man zu, es zu tun.

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