... später
Dienstag, 1. November 2011
Wie viele Leute sich selbst in eine Lüge einsperren, bei vollem Bewusstsein.
[Non]
Samstag, 29. Oktober 2011
Mein kleiner Bruder
Als er vier oder fünf war, versprach er mir einen Mercedes (einen schnellen "und mit einem Stern", dabei hielt er immer ein kleines Cabrio hoch aus seiner Matchboxautokiste) und einen Schäferhund, die er mir beide kaufen würde, wenn er groß wäre. Was braucht eine Frau zum Glücklichsein? Ein schnelles Auto und einen treuen Freund. Früh verstand er die Frauen, soweit ein Mann die Frauen eben verstehen kann. Er war ein guter Puppenvater für meine Puppen, aber für seine auch, er hielt geduldig den Hüpfgummi um die Knöchel und die Kniekehlen geschlungen, nachdem er, der kleine Bruder eines der großen wetteifernden Mädchen, natürlich früh ausgeschieden war beim Halb-halb-Mitte-Grätsche-halb-halb-raus, er hatte größere Füße als die Damen, damals schon. Als wir im großen Haus dann jeder ein eigenes Zimmer beziehen konnten, da war es nicht zum Aushalten, dass er hinter der Wand schlief, für ihn nicht und für mich nicht, und so zog er wieder ein ins gemeinsame Kinderzimmer, bis die Adoleszenz die Geschmäcker und die Rhythmen trennte.
Die Weiber wurden wichtig und das Bier, aber er trat mehrere Freundinnen ab an diejenigen, die das Bier mit ihm tranken, und sie heirateten alle, ihm aber waren die Weiber zu sehr blöde Hühner, alle, immerhin waren die Titten brauchbar. Den Frauen hinterließ er Kummer und Sorge (mehrere riefen bei mir an wenn er sich nach zweidrei Nächten tot stellte, ich kannte keine davon), und er winkte bitter und mit verächtlicher Geste ab und ließ mich ausrichten, er sei schwul.
Am nächsten Samstag heiratet er meine wunderbare Schwägerin. Sie ist kein Huhn, sondern eine Löwin, mit Kraft und Ruhe und Geduld, eine schöne junge Löwin, die weiß, was wichtig ist und zurecht kommt in der Wüste. Beides hat sie: Titten und Geist, und für sie hat er sich seinem großen Ungeheuer gestellt, nicht indem er dagegen kämpfte, sondern indem er es gezähmt hat. Jeden Tag zwingt er sein Ungeheuer unter den Tisch und sperrt es aus in der Nacht, es wird ihn nicht verlassen, aber er nennt es beim Namen und nur so lässt es sich herab und legt sich neben ihn. Für sie hat er es dahin gebracht, denn er weiß, dass er den Augenstern, der sie ihrem Vater wie jede kluge Tochter ihrem Vater ist, niemals hätte gewinnen können, hätte er das Ungeheuer weiter wirtschaften lassen. Dieser Vater gibt ihm seine einzige geliebte Tochter gern, er ist sicher, dass wer sein Ungeheuer so zähmen kann wie mein kleiner Bruder, der kann auch einer klugen Frau die Ungeheuer vom Leib halten.
Er selbst ist der schnelle Mercedes mit Stern, und ein treuer Freund.
Die Weiber wurden wichtig und das Bier, aber er trat mehrere Freundinnen ab an diejenigen, die das Bier mit ihm tranken, und sie heirateten alle, ihm aber waren die Weiber zu sehr blöde Hühner, alle, immerhin waren die Titten brauchbar. Den Frauen hinterließ er Kummer und Sorge (mehrere riefen bei mir an wenn er sich nach zweidrei Nächten tot stellte, ich kannte keine davon), und er winkte bitter und mit verächtlicher Geste ab und ließ mich ausrichten, er sei schwul.
Am nächsten Samstag heiratet er meine wunderbare Schwägerin. Sie ist kein Huhn, sondern eine Löwin, mit Kraft und Ruhe und Geduld, eine schöne junge Löwin, die weiß, was wichtig ist und zurecht kommt in der Wüste. Beides hat sie: Titten und Geist, und für sie hat er sich seinem großen Ungeheuer gestellt, nicht indem er dagegen kämpfte, sondern indem er es gezähmt hat. Jeden Tag zwingt er sein Ungeheuer unter den Tisch und sperrt es aus in der Nacht, es wird ihn nicht verlassen, aber er nennt es beim Namen und nur so lässt es sich herab und legt sich neben ihn. Für sie hat er es dahin gebracht, denn er weiß, dass er den Augenstern, der sie ihrem Vater wie jede kluge Tochter ihrem Vater ist, niemals hätte gewinnen können, hätte er das Ungeheuer weiter wirtschaften lassen. Dieser Vater gibt ihm seine einzige geliebte Tochter gern, er ist sicher, dass wer sein Ungeheuer so zähmen kann wie mein kleiner Bruder, der kann auch einer klugen Frau die Ungeheuer vom Leib halten.
Er selbst ist der schnelle Mercedes mit Stern, und ein treuer Freund.
[amor]
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Samstag, 29. Oktober 2011
oft nicht
[Komplet]
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Mein Zimmer kühl
Bettzeug hinter den Türen mit quadratischen Griffen, die Kindheit hinter der Tür aus Trapez, Licht im tiefen Raum, ein Teppich, der sein Blau in der Sonne verloren hat, sein dunkles Blau. Licht kreisrund an der Wand, Licht an den Tagen treppauf und treppab. Ich dich auch, was ist das, ich dich auch. Trampelpfadmäander, Fraktale der Lust.
Rastlos, so rastlos, dass die Nacht 11 Stunden hat. Rastlos und ungehalten.
Rastlos, so rastlos, dass die Nacht 11 Stunden hat. Rastlos und ungehalten.
[Komplet]
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Freitag, 21. Oktober 2011
spaßen
"Mein Leben spaßt mich."
[Prim]
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Samstag, 15. Oktober 2011
Das Hausbuch
Was für ein Gefühl, das Kind auf der großen Bühne zu sehen. Mit Ausstrahlung bis hinauf in den hinteren Rang, mit der Haltung eines Profis, mit den Genen des Vaters beschenkt ganz offensichtlich. Der Moment, bevor sie rausgeht, der sei der schönste, sagt sie, und man sieht es ihr an.
Die Fünf Stunden, ich weiß nicht, was ich immer mit ihnen machen soll. Sie machen mich satt in Restaurants der leckeren Sorte, sie schicken mir den Koch an den Tisch, dem ich sagen kann, wie schmelzend das Wildgulasch war, und der Mohnmousse bringt, ohne dass es bestellt werden müsste, sie versorgen mich mit Interna aus dem nationalen und internationalen Fußballgeschäft, sie lassen mich mitleiden, wenn der alte Kater dann doch sterben muss, obwohl er sich doch noch einmal aufgerafft hatte, eine letzte Maus zu fangen, letzte Woche erst. Sie erzählen mir von den Lehrlingen, vom nächsten BMW, von einer schönen temperamentvollen Tochter und von einer Ehefrau, die immer zu Hause ist und noch nie aber was soll man machen, ach, reden wir nicht davon. Von Brüdern, von Begierden, von Baustellen in 42 m Höhe, von der Lust und der Sehnsucht, sie bewundern mich und wollen nicht hören, dass ich noch nie mehr als fünf Stunden hatte, dass nicht einmal sie mir gehören, sondern dem heimlichen Glück, das sie selbst sind und sonst nichts. Die Fünf Stunden bekommen ein Glas Wein und dann schlafen sie ein bei mir und schrecken hoch irgendwann nach Mitternacht. Sie ziehen ihren dunklen Anzug an, sagen danke, danke für alles und dann eilen sie fort, ohne sich umzudrehen. Fünf Stunden, und ich weiß nicht, was ich mit ihnen machen soll, aber sie wissen, was sie mit mir machen können, und sie machen es, alles.
Sessel bestellt. Das Sofa kommt weg, dort wird das Pferd stehen, das Streitross, auf dessen Sattel man rückwärts sitzen muss um das Schwert zu schwingen über Kopf und dann zuzustoßen und um sich zu säbeln, bis einen jemand runterholt und zusticht. Ein Sessel genügt doch.
Heute die Winterblusen noch bügeln. Lila, grau, schwarz, petrol. Sekt trinken, und dann schlafen, neben einem Weinglas, das scharfe Kanten bekommen hat, denn es sind ein paar Scherben herausgebrochen. Die Kunst ist, zu trinken, ohne sich blutig zu machen. Die Kunst ist, Mut zu haben und die Scheiße duftend zu finden.
Die Fünf Stunden, ich weiß nicht, was ich immer mit ihnen machen soll. Sie machen mich satt in Restaurants der leckeren Sorte, sie schicken mir den Koch an den Tisch, dem ich sagen kann, wie schmelzend das Wildgulasch war, und der Mohnmousse bringt, ohne dass es bestellt werden müsste, sie versorgen mich mit Interna aus dem nationalen und internationalen Fußballgeschäft, sie lassen mich mitleiden, wenn der alte Kater dann doch sterben muss, obwohl er sich doch noch einmal aufgerafft hatte, eine letzte Maus zu fangen, letzte Woche erst. Sie erzählen mir von den Lehrlingen, vom nächsten BMW, von einer schönen temperamentvollen Tochter und von einer Ehefrau, die immer zu Hause ist und noch nie aber was soll man machen, ach, reden wir nicht davon. Von Brüdern, von Begierden, von Baustellen in 42 m Höhe, von der Lust und der Sehnsucht, sie bewundern mich und wollen nicht hören, dass ich noch nie mehr als fünf Stunden hatte, dass nicht einmal sie mir gehören, sondern dem heimlichen Glück, das sie selbst sind und sonst nichts. Die Fünf Stunden bekommen ein Glas Wein und dann schlafen sie ein bei mir und schrecken hoch irgendwann nach Mitternacht. Sie ziehen ihren dunklen Anzug an, sagen danke, danke für alles und dann eilen sie fort, ohne sich umzudrehen. Fünf Stunden, und ich weiß nicht, was ich mit ihnen machen soll, aber sie wissen, was sie mit mir machen können, und sie machen es, alles.
Sessel bestellt. Das Sofa kommt weg, dort wird das Pferd stehen, das Streitross, auf dessen Sattel man rückwärts sitzen muss um das Schwert zu schwingen über Kopf und dann zuzustoßen und um sich zu säbeln, bis einen jemand runterholt und zusticht. Ein Sessel genügt doch.
Heute die Winterblusen noch bügeln. Lila, grau, schwarz, petrol. Sekt trinken, und dann schlafen, neben einem Weinglas, das scharfe Kanten bekommen hat, denn es sind ein paar Scherben herausgebrochen. Die Kunst ist, zu trinken, ohne sich blutig zu machen. Die Kunst ist, Mut zu haben und die Scheiße duftend zu finden.
[Vesper]
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