Donnerstag, 9. Februar 2012
Frei und schön
Absplosch
Grandiose Schönheiten werden hier großzügig verschenkt, denn sie seien "so frei wie die Mathematik selbst", schreibt derjenige, der täglich eine neue dieser wunderlichen Visualisierungen veröffentlicht. Unbedingt Zeit haben dafür! Unbedingt die Titel beachten!

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Abgeschlossenes Studium der Wirtschaftswissenschaften, na klar, und Rasenmäherschein
Kann man sich auf eine Stelle bewerben, deren Ausschreibung endet mit "Wollen Sie Gas geben und durchstarten?"? Ach nö, eigentlich nicht, so müsste der Betreff des Anschreibens lauten, in fetten Kapitälchen (kursiv und unterstrichen natürlich). Ich will Blumen gießen und  Se  meine Ruhe haben. Statt dessen sich wieder fügen (nicht: formen!), Interesse bekunden, das ja nicht einmal nur gelogen ist. Arschkriechen, Arschlecken. Arschkrampen. Entschuldigung, aber mir geht dieses Dealen ums ach so nötige Geld auf die Eyer.

Wenigstens sind heute Nacht ein paar gefrorene Wölkchen auf die Treppe gerieselt. Man kann die wegpusten, wegwedeln. Muster wedeln, während es noch dunkel ist. Wenn ihr wüsstet, ihr Ärzte und Finanzheinis.

[ira]
Dienstag, 7. Februar 2012
Ring
Und noch solche Reste. Griffe ins Dunkle. Bettsüchtige Freude. Der grüne Schimmer der Angst, und Auflehnung. Reibung, Fluch. Bücherstapel. Geschirr hoch Korb, weg, also ewig. Aus dem Weg gehen. Klirrend auf den Fliesen Glas zerspringend. Schäden. Rosen, große Rosen. Große Hosen. Unvorstellbar das Morgen.

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Freitag, 3. Februar 2012
cum tribularer
Wie viel schöner ist es, einen Monat zu erleben, sich an ihm zu freuen, in sein Gesicht zu sehen und zurückzulächeln, oder mit ihm zu spielen oder sich zu wundern. Einen Monat aushalten aber, das ist nicht die Art, die der Zeit gebührt.

Im Garten stehen schwarze dicke Vögel in den leichten trockenen Flocken.

Möchtest du etwas Besonderes besprechen? Nein, sage ich, ich fragte, ob du zum Kaffee kommen magst und nichts anderes habe ich gemeint. Ich kann nur kurz, sagt er, und dann bleibt er doch zwei Stunden und schüttet mir sein gelb-blaues Herz aus. Ein junges Katerchen hat er, weiß und rot getigert, und da kommen mir die Tränen, wie ich auf das Foto schaue.

Einen anrufen können, der in seiner Suppe rührt und dabei sagt, das ist Mittellatein und heißt getrieben sein, getrieben werden, das ist ein Glück. Ah okay, sage ich, lasst es euch schmecken. Dann legen wir auf.

Ich mag das, die Klamotten einfach auf den Boden zu werfen. Morgens ist der Berg immer noch weich.

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Donnerstag, 2. Februar 2012
Telefonzentrale, wie kann ich Ihnen helfen?
Das Amt lässt fragen, welche Fremdsprachen ich beherrsche. Latein, sage ich. Verhandlungssicher? Nö, sage ich, ich könnte kein Brötchen kaufen, außerdem verstehen das die Verkäuferinnen auch immer nicht. Aber gefühlsecht, das kann ich. Dann brauchen wir das nicht, sagt die Amtsstimme. Sie fordert mein Abiturzeugnis an (Sport 10 Punkte, yeah, aber das brauchen wir auch nicht), und Arbeitszeugnisse. Von vor 20 Jahren, frage ich? Ja, alles, sagt sie. Das Amt möchte ein Bewerbungsschreiben von mir sehen und kontrollieren, ob ich alles richtig mache. Und einen Lebenslauf. Das werden 4 Seiten, sage ich. Das brauchen wir, sagt die Amtsstimme. Und wo ich mich bereits beworben habe, man kann "offen" oder "Absage" ankreuzen. Alles offen, sage ich. Absagen tu ich eigentlich immer selber. Ob ich bereit sei, ein Auto anzuschaffen, um zu meinem Arbeitsplatz zu kommen. Klar sage ich, aber ich verdiene bald nichts mehr. Also ja, sagt die Amtsstimme. Ihre Fähigkeiten? COBIT, sage ich. Was ist das, fragt die Amtsstimme. Was mit Computern, sage ich. Gut, welchen Abschluss haben Sie? Musikerin, sage ich. Stille. Aber Sie sagten doch was mit Computern? Ja, sage ich, und Hospizdienst. Okay, sagt die Amtsstimme, ich schicke Ihnen den Fragebogen zu, den füllen Sie dann selber aus und geben ihn innerhalb dreier Tage zurück ("von drei Tagen" sagt sie natürlich, ich korrigiere das mal eben), und dann müssen Sie persönlich erscheinen. Ich kann nicht aus dem Haus, sage ich, ich bin krankgeschrieben. Wenn Sie krankgeschrieben sind, dürfen Sie sich hier gar nicht melden, sagt die Amtsstimme. Aber jetzt sind Sie drin im Computer, das kann ich nicht mehr löschen. Das Abgabedatum kann ich auch nicht ändern, das gibt der Computer so vor. Was machen wir denn jetzt, fragt die Amtsstimme? Das haben wir gleich, sage ich. Mit welchem Betriebssystem arbeiten Sie denn, frage ich (wer fragt, führt, hab ich mal auf einem Kommunikationsseminar gelernt, da hab ich noch irgendwo ein Zertifikat über die "erfolgreiche Teilnahme", das muss ich auch noch einreichen. Und eins irgendwas mit "Powerfrauen". Haben wir gekotzt.). Weiß ich nicht, sagt sie, ich glaube, das ist ein Desktop. Gut, sage ich, dann schicken Sie mir das alles doch einfach mal zu. Wo kann ich das dann einreichen, wenn ich wieder gesund bin? Da kann man doch nicht parken oder ranfahren, oder? Weiß nicht, sagt die Amtsstimme, ich sitze hier in der Zentrale. Bitte besprechen Sie alles weitere mit Ihrem Arbeitsvermittler, ich sage Ihnen noch den Termin, Moment, Sie müssen da persönlich erscheinen, aber die Unterlagen müssen vorher da sein, mindestens drei Tage, damit er sich vorbereiten kann. Eben, sage ich. Ich weiß nun gar nicht, wer für Sie zuständig ist, sagt die Amtsstimme. Ich stecke das dann mit in den Brief. Danke sage ich, danke für Ihre Unterstützung.

[Non]
Mittwoch, 1. Februar 2012
Aufwartung machen
Es ist so eine Art Märchen, einen echten Schokoladenfabrikanten kennenzulernen. Einen Industriellen alter Schule, der sein Unternehmen, das er mit persönlichem Einsatz, viel leiblicher Anwesenheit, geschickten Investitionen, zeitgemäßem und zur Branche passendem Marketing und sozialem Fingerspitzengefühl dahin gebracht hat, wo es heute steht, nämlich an der Börse, und stabil notiert, der sein Unternehmen nicht liebt, aber zufrieden ist damit, und mit ein paar anderen auch noch, in Holland zum Beispiel. Er hält natürlich die Mehrheit der Aktien, und er fährt gelegentlich hin, aber nicht mehr so oft wie früher. Ich stelle ihn mir so vor: hinter einem Schreibtisch sitzend, auf dem ein metallener Briefbeschwerer steht (oder was aus Stein, das geht auch), außerdem ein Foto seiner Frau mit den Enkelkindern. Grauhaarig natürlich, noch nicht alt, aber schon ans Alter denkend und das ohne Sorgen. Ein bisschen beringt im Sinne eines klassischen Embonpoint, und beringt auch an einem Finger, nämlich per Ehering. In seinem Arbeitszimmer stehen keine Vitrinen, sondern Aktenschränke, denn er empfindet sich als Arbeiter und nicht als Museumsdirektor seines Erfolgs. Er liest seine Mails nicht selbst, und den Kaffee bringt die Sekretärin in nicht mehr ganz modernem Geschirr (also der Kaffee, nicht die Sekretärin. Lektor! Aufpassen.).
Was zieht man da an? Alles ein bisschen. Jeans, Schühchen, Pulli mit kleinkleinbisschen Tüddelüt über einer weißen Bluse und Kette um den Hals natürlich. Kaum Make-Up. Drüber Gehrock, drüber den Winterschal, der wärmt wie ein Mantel. Mittelgroße edle Tasche. Wir plaudern am Mittwoch ein bisschen, sagte er. Das machen wir, heute Nachmittag.

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